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Jedes Jahr führen die Handelskammern in Deutschland etliche Gespräche zur Unternehmensnachfolge. Auch in 2018 wurden rund vier Prozent mehr Gespräche registriert. Mit rund 27.000 Gesprächen sowohl mit potentiellen Unternehmern als auch Nachfolgesuchenden ist der Aufwand damit auf einem recht hohen Niveau.
Doch das Problem ist ein ganz anderes. Im großen DIHK Nachfolgereport von 2019 kommen die Ersteller aufgrund der vorliegenden Daten zu folgendem Schluss: Die Nachfolge im Mittelstand gewinnt weiter an Brisanz! Rund 99% der Klein- und Mittelstandsunternehmen stellen etwa 60% der sozialversicherungspflichten Angestellten. Gelingt es den KMU nicht die Nachfolgeregelung zu lösen, stehen die Unternehmen vor dem Aus und mit ihnen die Arbeitsplätze!

Sehr gute Chancen, aber viele Hinderungsgründe!

Formal betrachtet ist die Nachfolge in Deutschland ein sehr umfangreicher Marktplatz. Viele Anbieter und viele Interessenten treffen hier aufeinander. Ein Unternehmen jedoch zu führen erfordert neben diversen Qualifikationen aber vor allem eine gewisse thematische Verbundenheit. Der deutsche Mittelstand ist besonders deswegen so stark, weil sich die Unternehmer und Mitarbeiter direkt mit ihrem Unternehmen identifizieren.
Und wer sich in eine bestimmte Richtung qualifiziert hat, wird nicht aus Lust und Laune eine Bäckerei oder einen Papierhersteller übernehmen können und wollen. Und genau in dieser Gemengelage möchte ich heute die Top 3 Gründe herausarbeiten und eine Lösung vorstellen, wie sich das Dilemma entsprechend lösen lässt.

#1 Nichts dabei – Angebot und Nachfrage finden sich nicht

Eine Umfrage der DIHK ergab, dass rund die Hälfte der interessierten Übernehmer kein passendes Unternehmen finden. Die Gründe hierfür können sehr vielfältig sein. Der deutsche Mittelstand ist durch eine große Auswahl verschiedener Branchen geprägt. Dem gegenüber stehen ganz andere Qualifikationen, die Übernehmer an der Hochschule oder auch im bisherigen Berufsweg erlernt haben.
Rund 44% der Befragten unterschätzen demnach die Anforderungen und damit verbundenen Risiken. Als Unternehmer ist der Nachfolger sowohl rechtlich für das Unternehmer verantwortlich als auch moralisch für die Zukunft der Mitarbeiter – eine Gratwanderung, die anfangs augenscheinlich häufig unterschätzt wird. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte der Alt-Unternehmer noch keine geregelte Nachfolge haben. Damit treffen fehlende Qualifikation und unzureichende zeitliche Ressourcen aufeinander – eine explosive Mischung, die genau zur aktuellen Brisanz führt.
Die Arbeit der IHK kann an dieser Stelle gar nicht genug gewürdigt werden. Dennoch müssen Alt-Unternehmer und Übernehmer an der Stelle deutlich früher aufwarten und am Markt aufeinandertreffen. So ergibt sich die Chance frühzeitig eventuelle Qualifikationen nachzuholen und eine umfangreiche Einarbeitung und Übergabe zu ermöglichen.

#2 Wenn es um Geld geht, hört der Spaß auf

Die Unternehmensnachfolge ist für keine der beiden Seiten eine karikative Veranstaltung. Vielmehr geht es in diesem Prozess darum eine Einigung zu finden. Dazu gehört aus der Sicht des Übernehmers aber auch eine grundsolide Finanzierung. Heute am Markt zu erscheinen, Interesse zu signalisieren, aber keine Finanzierungsmöglichkeiten zu haben, ist für alle Seiten eine Ressourcenverschwendung.

Der Übernehmer muss sich grundsätzlich über die Dimension bewusst sein. Das bedeutet unter anderem auch, dass weit vor dem eigentlichen Interesse, der finanzielle Spielraum abgesteckt werden muss. Ein Gespräch mit der Hausbank über das Vorhaben oder auch der Vergleich verschiedener Finanzanbieter hilft eine Einschätzung zu erhalten. Damit werden die ersten Parameter bestimmt, die den Suchradius entsprechend detaillieren.

Wer hier im Voraus seine Hausaufgaben machen oder mindestens einen entsprechend konkreten Plan zur Optimierung der eigenen Finanzen, kann in einer späteren Verhandlung viel besser agieren. Ein KMU zu übernehmen bedeutet häufig eine sechs- oder siebenstellige Finanzierungssumme, bei der auch die Stellen hinter dem Komma einen riesigen Einfluss auf die Zinskosten haben. Eine Vorbereitung und Optimierung ist hier also kein optionales Angebot, sondern im unternehmerischen Sinne verpflichtend um den größtmöglichen Ertrag erwirtschaften zu können.

#3 Unternehmen kauft man nicht – man lebt sie!

Jedes KMU hat sein ganz eigenes Herz. Im Rahme der Nachfolge gilt es also dieses Herz vom Alt-Unternehmer an den Nachfolger zu transplantieren. Schon in der Medizin ist die Herztransplantation eine sehr umfangreiche und zudem risikoreiche Aufgabe. Die Unternehmensnachfolge bedeutet allerdings einerseits das Herz des Unternehmens zu übertragen und andererseits für die Herzen der vielen Mitarbeiter die Verantwortung zu übernehmen. Es geht also um das Leben und das Schicksal vieler inklusive des eigenen Seins des Übernehmers.

Diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine Aufgabe, auf die man sich als Übernehmer nicht gut genug vorbereiten kann. Zu individuell sind die Historien der Unternehmen. Dennoch gilt es hier die bestmögliche Vorbereitung zu schaffen. Dazu gehört es für den Übernehmer auch sich theoretisch und praktisch schulen zu lassen, um das grundsätzliche Handwerk der Unternehmensführung zu erlernen.

Mit Blick auf die Einkommensverteilung in Deutschland, stehen die Unternehmer dort immer wieder an der Spitze. Das ist verlockend diesen Weg einzuschlagen. Dabei muss aber beachtet werden, dass Unternehmen keinen 9-to-5-Job haben, sondern eine vollumfängliche Verantwortung übernehmen und dieser gerecht werden müssen. Selbstverständlich kann jeder Unternehmer seinen Arbeitstag so optimieren, dass er an die üblichen Arbeitszeiten der Angestellten herankommt. Doch bis dahin gilt es immer wieder die Extrameile zu gehen. Wer dies aufgrund der eigenen Einstellung oder auch der Lebensumstände nicht kann, sollte vor Übernahme die entsprechende Vorsicht walten lassen.

Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge gemeinsam meistern

Der Kauf eines Unternehmens ist final nur der Abschluss einer Verhandlung. Gewonnen ist damit jedoch noch nichts, vor allem dann nicht, wenn keine entsprechende Idee der Übernahme besteht. Insofern sollte jeder Übernehmer Abstand von der Einstellung nehmen, dass das Unternehmen nur durch die Zahlung des Kaufpreises den Besitzer wechselt.

Die Verantwortung für das Unternehmen zu übernehmen bedeutet dieses von dem Moment der Übernahme an ins eigene Herz zu schließen. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen immer wieder anschaulich, dass eine fehlende Verbindung häufig nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Somit wird die Nachfolge immer dann problematisch, wenn die Nachfolge zu faktenbasiert erfolgt.
Zwar ist der Übernehmer auf dem Papier der neue Chef, jedoch unterschätzen viele die damit einhergehenden Anforderungen. 44% der potenziellen Übernehmer unterschätzen die umfangreichen Anforderungen an sich selbst, die eine Nachfolge und Übernahme mit sich bringt. Bevor also dieser Schritt gegangen werden kann, gilt es die notwendigen Skills aufzubauen um der Aufgabe gerecht zu werden.

Im Miteinander und einem konkreten Plan ist die Lösung zu finden

Studien beweisen, dass eine Vielzahl der Lottomillionäre nach einigen Jahren den größten Teil ihres Vermögens verbraucht haben. Menschen überspringen mit dem Reichtum die eigenen Evolutionsstufen um die notwendigen Fähigkeiten zur Vermögensverwaltung aufzubauen. Und genau das Gleiche gilt bei der Unternehmensnachfolge.

Wer frisch von der Uni kommt oder nur wenige Jahre gearbeitet hat, sollte sich zur Vorbereitung auf die Nachfolge entsprechend entwickeln. Unsere Top 3 Gründe zeigen auf, was es hierbei vor allem zu beachten gilt. Einer der Grundpfeiler ist dabei die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit hin zu einem gestandenen Unternehmer. Ferner gilt es hier auch die notwendigen Qualifikationen zu erreichen, sofern diese noch nicht vorhanden sind.

Netzwerke und der Austausch mit anderen Unternehmern stellen dabei sicher, dass Herausforderungen nicht nur im Alleingang gelöst werden müssen. Verbindungen zu Menschen, die ähnliche Situation bereits gemeistert haben oder aber mindestens eine fundierte Meinung dazu haben, sind das Rückgrat jedes Unternehmers. Insofern gilt es hier schon frühzeitig die Kontakte zu knüpfen und das Netzwerk aufzubauen, damit im Falle der Nachfolge eventuelle Fragestellungen zur Finanzierung, Kontakten und anderen Herausforderungen schnellstmöglich beantwortet werden können.

Die Nachfolge bietet für Interessierte riesige Chancen

Gerade in der Zeit der Digitalisierung gibt es die Möglichkeit diese Chancen bei einer Unternehmensnachfolge aktiv mitzugestalten. Die Zahlen der IHK zeigen, dass das Angebot sehr groß ist. Somit bestehen viele Chancen den eigenen beruflichen Weg in der Zukunft zu gestalten. Immer größere Wünsche nach Selbstbestimmtheit, Freiheit und nicht zuletzt auch die eigene Entfaltung lassen sich als Unternehmer deutlich einfacher umsetzen.

Dennoch ist der Job als Unternehmer und hier speziell in der Nachfolge an besondere Herausforderungen geknüpft. Wer also ernsthaft daran interessiert ist in einem Unternehmen die Nachfolge anzutreten, sollte vorab eine Reihe von Hausaufgaben erledigen. Das dient nicht nur der persönlichen Vorbereitung und Bereicherung mit Kenntnissen, sondern erhöht auch die Chancen im Wettlauf den Zuschlag zu bekommen und die Nachfolge antreten zu können.

Zudem ist die Vorbereitung auf die Phase als Unternehmer eine sehr spannende und bereichernde Zeit. Somit stellt sie in jedem Fall eine immense Entwicklung der Persönlichkeit dar, unabhängig davon wo, ob und in welchem Bereich später die Nachfolge angetreten wird. Bereiten Sie sich entsprechend vor und nehmen Sie Ihr berufliches Leben selbst in die Hand, um den größtmöglichen Erfolg erreichen zu können.


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