Bevor ein Nachfolger für das Unternehmen gesucht werden kann, sollte der Unternehmer selbst ein Zielszenario erstellen. Dabei ist selbstverständlich der Kaufpreis sicherlich eine wichtige Komponente. Er ist aber nicht alles. Gerade die Unternehmer kleinerer und mittlerer Unternehmen sind mit ihrem Unternehmen und den Mitarbeiter eng verbunden. Insofern gilt es neben dem vordergründig wichtigen Preis sich hier besonders Gedanken, um den Fortbestand über das Team zu machen, bevor der Nachfolger für das Unternehmen gesucht wird.

Was ist mein Ziel für die Unternehmensnachfolge?

Üblicherweise verkauft der Unternehmer sein Unternehmen nicht, um es loszuwerden. Vielmehr führt die Einsicht darüber zum Verkauf, dass sich die Prioritäten des Unternehmens verschoben haben. Ob es sich dabei um andere geschäftliche Projekte oder den Lebensabend handelt, ist für den Verkauf vollkommen irrelevant. Jedoch ist davon abhängig, was das Ziel für das (dann verkaufte) Unternehmen in der Zukunft sein soll.

Sehr ähnlich dem Prozess bei der Einstellung von Mitarbeitern wird ein Nachfolger für das Unternehmen gesucht, der bestmöglich passt. Um hier allerdings ein Fitting zu erreichen, ist es notwendig ein bestimmtes Zielszenario zu beschreiben. Gibt es eine bestimmte Größe des Verkaufspreises, der erreicht werden soll? Liegt der Fokus eher darauf, dass der Nachfolger das Unternehmen mit einem ähnlichen Stil weiterführt?

Solange der Unternehmer kein weitestgehend konkretes Bild vom Käufer und seinen Qualitäten hat, ist eine Suche schwierig bis unmöglich. Wer soll gesucht werden? Wo ist er zu finden? Und was soll er an Voraussetzungen erfüllen? Diese Fragen und viele weitere sind so konkret wie möglich zu beschreiben. So lässt sich eine fiktive Zielperson definieren. Mit ihrer Beschreibung kann dann mithilfe der Adjektive die Suche vorgenommen werden.

Nachfolger für Unternehmen gesucht – aber wie sieht der eigene Exit aus?

Wird ein Nachfolger für das Unternehmen gesucht, geraten viele andere Fragestellungen in den Hintergrund. Dabei sind diese nicht weniger wichtig. Der Unternehmer, der einen großen Teil seines Lebens mit dem Aufbau und der Führung des Unternehmens beschäftigt war, muss sich gleichermaßen über seine eigene Zukunft klar werden. Mit dem Ausstieg aus dem eigenen Unternehmen beginnt eine neue Zeitrechnung. In diese sollte er niemals unvorbereitet starten, sondern sollte dem großen schwarzen Loch vorbeugen.

Unter anderem kann er sich im Rahmen der Nachfolge einen beratenden Posten im Unternehmen sichern, sofern für das Unternehmen so ein Mehrwert entsteht. Aber auch der komplette Ausstieg sollte eine Option sein. So kann sich der Unternehmer neue Aufgabenfelder suchen und beispielsweise ehrenamtlich tätig werden oder für ein anderes Unternehmen beratend tätig werden. Auf diese Weise wird seine Expertise weiter genutzt. Zudem kann der Übergang zwischen Voll-Unternehmer und dem Status danach fließend erfolgen. Stufe für Stufe kann das Engagement in andere Tätigkeiten verlagert werden.

Der Exit ist genauso wichtig wie das Onboarding

Mit dem Verkauf des Unternehmens ist zwar ein großer Schritt erreicht, aber nicht das Ende. Insofern sollte der Gedanke über das „Danach“ unbedingt mit in die Planung aufgenommen werden. Die Beschäftigung als Unternehmer und Chef findet an der Stelle in der Konstellation sein Ende, jedoch ist eine darauf aufbauende Lebensplanung von enormer Bedeutung.

Folglich sind neben den wichtigen Voraussetzungen für einen Nachfolger auch gleichermaßen Szenarien zu entwickeln, welche Rahmenbedingungen der Unternehmer für sich selbst und seine Lebensplanung verwirklichen möchte. Das umfasst vor allem das zukünftige Aufgabengebiet und Beschäftigungsfeld. Vielfach treten Unternehmer mit dem Schritt der Nachfolge auch ihren Lebensabend an, sodass eine solide Planung der Finanzen unabdingbar ist.

Die Entscheidungen von heute bestimmen den Wert von morgen

Die Suche nach einem Nachfolger sollte frühzeitig erfolgen. Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass dabei alle Details geklärt sind. Jedoch sollte ein Zielbild entwickelt werden, auf das die Handlungsstränge für den Unternehmer und das Unternehmen abgestimmt werden können. So gilt es hier frühzeitig in die Kommunikation zu gehen und die Mitarbeiter über den Schritt zu informieren. Aus Informations-Empfängern können so Mitstreiter und Mitwirkende entwickelt werden, die den Prozess bei Bedarf aktiv mitgestalten werden.

Ferner können natürlich entsprechende Projekte in Angriff genommen werden, die auf einen Zielpreis hinwirken. Wenn mit den heutigen Mitteln und Werten im Unternehmen der Wunsch-Zielpreis nicht erreicht wird, kann der Unternehmen die notwendigen Prozesse in Gang setzen, um den Wert des Unternehmens zu steigern. Bei einer frühzeitigen Planung kann das Unternehmen so noch Jahre auf die Erreichung des Zielwertes hinarbeiten und seinen Wert steigern.

Kurzfristige Freuden vermeiden, um langfristig zu profitieren

Aus verschiedenen Gründen kommt es immer wieder dazu, dass Investitionen verzögert werden. Dass im Falle von Ausgaben durchaus sinnvoll, die keinen Mehrwert bieten. Wer einen Nachfolger für das Unternehmen sucht sollte jedoch keinesfalls einen Investitionsstopp verhängen. Zwar wird so kurzfristig Geld angehäuft, jedoch läuft das Unternehmen auf alten Wegen weiter. Ein ernsthaft interessierter Käufer bemerkt sofort, welche Investitionen dringend notwendig wären. Insofern wird er diese entsprechend preismindernd in einer Verhandlung anbringen. Das führt am Ende dazu, dass vor allem der Unternehmenswert selbst und die Mitarbeiter unter dieser Vorgehensweise leiden. Sie können nicht so effektiv arbeiten wie wünschenswert, was das Ergebnis entsprechend schlechter werden lässt.

Folglich darf der Unternehmer bei der Nachfolgeplanung niemals auf notwendige Investitionen verzichten. Sie sind für das Unternehmen und seinen Fortbestand elementar wichtig und zudem ein wichtiges Signal für die Mitarbeiter sowie den potenziellen Käufer. „Hier wird Zukunft geschaffen – hier wird darauf vorbereitet“ muss das Signal lauten, sodass alle Beteiligten von einem weiteren Erfolg überzeugt sind. Und eine Investition in die Zukunft wirkt gleichzeitig tendenziell preiserhöhend in einer Verkaufsverhandlung, da sie als Ausgabe in der Zukunft nicht mehr von den Gewinnen zu berücksichtigen ist.

Die Nachfolge ist sehr komplex und umschreibt nicht nur den Verkauf

Mit dem Tag des Verkaufs endet die Nachfolge nicht. Wer einen Nachfolger für das Unternehmen gesucht und gefunden hat, ist einen großen Schritt gegangen. Dennoch gibt es für das Unternehmen selbst aber vor allem für den Unternehmer viele weitere Schritte in seiner Zukunft, die es zu planen gilt. Kopflos das Unternehmen schnellstmöglich zu verkaufen ist gefährlich. Zum einen wird das Unternehmen aufs Spiel gesetzt mit all seinen Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern, was nicht im Sinne des Unternehmers sein kann. Gleichermaßen ist der Unternehmer kurz darauf aber auch nicht auf den Lebenswandel vorbereitet und stellt sich somit selbst vor eine riesige Herausforderung.

Es heißt immer so schön: „Planung ist das halbe Leben“- und hier bestätigt sich diese Weisheit einmal wieder. Wer die Unternehmensnachfolge organisiert angeht und sich frühzeitig um ein vollumfängliches Zielszenario kümmert, wird erfolgreich abschließen können. Das kann nur im Sinne aller Beteiligten sein, da ein solches Szenario die bestmöglichen Zukunftsaussichten verspricht. Der Fokus geht bei der Unternehmensnachfolge also darauf den richtigen Unternehmer für das Unternehmen zu finden und den eigenen Exit aus diesem weitläufig zu planen. So werden die Ressourcen bestmöglich verwendet und die Gefahr für das Unternehmen minimiert.